Aeham Ahmad und Bergo Ibrahim bauen unzerstörbare Brücken aus Musik und Menschlichkeit

Ein besonderer Konzertabend war dies in jeder Hinsicht, ein zutiefst menschliches Happening über alle Grenzen hinweg in ganz Besonderem!

Aeham Ahmad hat mit seinem leidenschaftlichen Gesang dicht in die Herzen der Zuhörer getroffen! Der aus Syrien stammende palästinensische Flüchtling hat ohne Anklage die dramatische Situation in den zahlreichen von Terror und Gewalt erschütterten Regionen im Osten der Welt sprechend und singend beschrieben, sanft, behutsam, fragend, traurig, fassungslos und doch stark, überzeugt, verankert in den menschlichen Werten von Demokratie, Würde, Freiheit und Liebe. Mitten in den zerbombten Straße Syriens spielte er Klavier, um den noch lebenden Menschen Hoffnung und Freude zu schenken und um sie zu ermutigen, weiter zu machen, dran zu bleiben, an ihr Leben zu glauben.

Tag für Tag zog er mit einem Handkarren sein Klavier aus dem Flüchtlingscamp ins Zentrum der Stadt und begann zu singen und zu spielen. Ein lebendiges, couragiertes Mahnmal gegen den ultimativen Terrorwahnsinn!!! Als sein Piano von verblendeten Fanatikern verbrannt wurde, begab auch er sich auf die Flucht, zu Fuß tausende von Kilometern durch mehrere Länder, mit dem Boot übers Meer mehrere Tage und Nächte, mit Trauer, Verzweiflung und Angst im Gepäck, mit Bedrohung, Hunger und Tod an der Seite, getragen von dem Glauben an Liebe und Frieden! Im Spätsommer 2015 kam er in Deutschland an, mit dem klaren Entschluss, nicht zu schweigen!

Während seiner Kindheit und Jugend hat Aeham auf den Gassen mit anderen Kindern gespielt, das nachbarschaftliche Miteinander stand in friedvoller Tradition, Herkunft und Glaubensrichtung spielten keine trennende Rolle. Während seines Musikstudiums in Damaskus musizierten, philosophierten komponierten und speisten Christen, Muslime und Andersgläubige in friedlicher Koexistenz zusammen.

Woher die trennenden Kräfte kommen, die scheinbar über Nacht gewaltvoll und zerstörerisch zwischen die Bürger traten, das fragt er sich und versteht es nicht, wie wohl keiner der Vertriebenen. Was ist passiert? Warum diese Kriege? Was soll diese unvorstellbare Brutalität?

Seine ganze Innerlichkeit teilt Aeham bei seinem Auftritt mit uns, die wir auch nicht verstehen können! Virtuos und unkonventionell tanzen seine Finger über die Tasten, weint sein Schmerz in seinem Gesang, schwingt die Hoffnung aus seiner Stimme. In arabischer Sprache erzählt er von seinen Erlebnissen und Unfassbarkeiten, begleitet von eigenen Klavierkompositionen und spontanen Improvisationen. Musik ist die Sprache der Hoffnung, ist die Sprache, die die ganze Welt versteht und verbindet. Dies wird mit einem Mal jedem der Zuhörer emotional bewusst. Musik löst alle Grenzen auf, die geografischen ebenso wie die im Kopf konditionierten!

Jeder Mensch hat und braucht eine Identität! Und wenn auf den Papieren „staatenlos“ steht, dann ist das ein unermesslicher Schlag gegen die Menschenwürde! Entweder sind wir alle staatenlose Planetarier oder keiner von uns! Wir müssen runter vom hohen Ross der „Bescheidwisser“, wir müssen zusammen rücken, uns wieder oder überhaupt zum ersten Mal unserer ureigenen und verbundenen Identität als Menschen auf diesem gemeinsamen Planeten bewusst werden, uns öffnen, mutig zusammenstehen und füreinander einstehen! Es geht nur im globalen Team! Denn letztlich ist keiner von uns mehr als der andere. Das einzige, worum es wirklich geht, ist Liebe. Und wo Liebe ist, kann es nur Friede geben!

Der Konzertabend in der ehemaligen Orangerie einer historischen Villa im UNESCO Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal hat die Besucher und Zuhörer für zwei Stunden erleuchtet und im Herzen geeint.

Aeham Ahmad wurde von dem ägyptischen Perkussionisten Bergo Ibrahim mit Stimme und verschiedenen Instrumenten sensibel, humorvoll, charmant und in aller Deutlichkeit durch den Abend begleitet. Eine tiefgreifende Verbindung!

Das musikalische Happening war ein großartiges Geschenk an Frische, Natürlichkeit, Schönheit und Liebe. Und es hat wach gerüttelt! Am Ende des Konzertabends hielten sich die vielen Besucher minutenlang schweigend an den Händen, weinend, lächelnd, hoffnungsvoll, glücklich und verbunden in einem Herzklang!

Aeham Ahmad wurde im Dezember 2015, nur drei Monate nach seiner Ankunft als Flüchtling in Deutschland, mit dem „Internationalen Beethovenpreis für Menschenrechte“ ausgezeichnet, dies aufgrund seines überragenden Einsatzes für ein friedvolles Zusammenleben aller Nationen. Möge dies ein Impuls sein, dass wir alle die Kraft haben, bisweilen selbst Leuchtturm zu sein. Diese Kraft brauchen wir mehr denn je! Und da, wo die Politik an ihre Grenzen stößt, möge Musik die Weltbühne betreten!

Weitere Informationen unter: http://www.aeham-ahmad.com